Pamela Premm ist Texterin und PR-Beraterin.
Für die Interviewreihe „Die KI und ich – Wie die KI meine Arbeit verändert hat“ hat sie sich sehr viel Zeit genommen, um die Fragen ausführlich zu beantworten.
Ihr Fazit:
Was KI nicht ersetzen kann? Ein persönliches Briefing. Ich will wissen, wie mein Kunde tickt, welche Herausforderungen es gibt und wo die Bedürfnisse liegen.
INHALT:
Herausforderungen & negative Aspekte

Fotograf: Mario Zgoll
Einstieg & Überblick
Kannst du uns kurz deinen beruflichen Hintergrund und deine Spezialisierung erläutern?
Ich bin freiberufliche Texterin und PR-Beraterin. Ich unterstütze KMU und Verbände beim Aufbau ihrer Öffentlichkeitsarbeit, schreibe beispielsweise Fachartikel, Pressemitteilungen, Social-Media-Beiträge, Newsletter und Reporte.
Zudem begleite ich meine Kunden auf ihrem Weg in die Medien.
Ein Schwerpunkt ist die Ferienhausbranche. Die wird ebenfalls aktuell von technologischen Entwicklungen überrollt. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl, Zielgruppenverständnis und eine spezifische Ansprache, um Gäste und Gastgeber abzuholen und für neue KI-Lösungen zu begeistern. Auch etwas, das Large Language Models nicht leisten können.
Wann und wie bist du zum ersten Mal mit KI-basierten Schreibwerkzeugen in Berührung gekommen?
Das ist schon eine Weile her. Vor zwei Jahren etwa habe ich ChatGPT zum ersten Mal ausprobiert. Damals war es noch in der Betaversion zugänglich. Auch heute ist es das Schreibtool, das ich am häufigsten nutze.
Welche KI-Tools oder -Anwendungen nutzt du derzeit am häufigsten in deinem Arbeitsalltag?
Tatsächlich nutze ich ChatGPT für Texte, Canva für die Erstellung von visuellen Elementen und Scribbr zur Überprüfung der Rechtschreibung. Alle drei sind wichtige Tools, die ich in meinen Arbeitsalltag integriert habe.
Positive Auswirkungen
In welchen Bereichen hat KI deine Arbeitseffizienz gesteigert? Kannst du konkrete Beispiele nennen?
Ich nutze ChatGPT gerne für Zusammenfassungen: Wenn ich beispielsweise einen Fachartikel verfasst habe und daraus eine Pressemitteilung ableiten möchte, dann bekomme ich einen akzeptablen ersten Entwurf. Den muss ich zwar trotzdem überarbeiten, aber insgesamt ist der Workflow effizienter.
Auch bei der Entwicklung von Headlines oder der Optimierung einzelner Sätze ist ChatGPT eine gute Unterstützung, wobei ich die Ergebnisse nie eins zu eins übernehme.
Hat KI dir geholfen, neue kreative Ansätze zu entwickeln oder „Schreibblockaden“ zu überwinden? Wenn ja, wie?
Ich leide tatsächlich seltener an Schreibblockaden. Ist die Recherche- und Briefingphase abgeschlossen, schreibe ich erstmal drauflos. Dann darf der Text ruhen.
Am nächsten Tag folgt der Feinschliff. Einzelne Satzteile oder Wörter werden so lange ausgetauscht und verschoben, bis sie passen.
Aber klar: Hakt es an einer Stelle, kann KI schon ein guter Sparringspartner sein. Sie spuckt mir auf Knopfdruck zehn alternative Formulierungen aus, die ich dann nur noch individualisieren muss. Auf diese Weise komme ich schneller voran.
Um die nächste Frage vorwegzunehmen: Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigene Öffentlichkeitsarbeit.
Gibt es bestimmte Aufgaben, die du dank KI nun schneller erledigen kannst und durch die du mehr Zeit für andere Aspekte deiner Arbeit hast?
Mit KI kann ich schneller Informationen sammeln und mich einem Thema annähern. Allerdings durchforste ich auch andere Quellen und bleibe über Google-Alerts zu gewissen Themen up to date.
Was KI nicht ersetzen kann? Ein persönliches Briefing, auf das ich viel Wert lege. Ich will wissen, wie mein Kunde tickt, welche Herausforderungen es gibt und wo die Bedürfnisse liegen.
Texten ist so viel mehr, als nur ein paar Dutzend Wörter aufzuschreiben. Dazu gehören auch eine Markt- und Wettbewerbsanalyse, die Identifikation der Ziele und Zielgruppen, die Definition der USP und eine klare Positionierung. Das klingt vielleicht abgedroschen, aber die interessanten Infos fallen meistens im Nebensatz.
Letztendlich ist Copy- und Ghostwriting eine Dienstleistung von Menschen für Menschen und KI ein Hilfsmittel.
Hat die Nutzung von KI-Tools zu einer Erweiterung deines Angebots oder deiner Dienstleistungen geführt?
Ich habe bisher noch keinen KI-Workshop gelauncht oder Ähnliches.
Ich finde aber, dass wir achtsam mit KI umgehen sollten. ChatGPT kann uns mit einem Prompt 50 Content-Ideen ausspucken und skizzieren. Das führt zu einer unfassbaren Reizüberflutung. Wo bleibt der Raum für eigene Gedanken? Für Inspiration und Kreativität?
KI ist eine Maschine, die nie schläft, nie pausiert, aber dafür wahnsinnig schnell lernt. Trotzdem analysiert und variiert sie erstmal nur das, was bereits existiert.
Ich könnte mir durchaus ein Coaching oder einen individuellen Workshop vorstellen, in dem ich Neulingen einen verantwortungsvollen Umgang mit KI näherbringe.
Herausforderungen & negative Aspekte
Welche Herausforderungen oder Schwierigkeiten hast du bei der Integration von KI in deinen Workflow erlebt?
Es gibt so viele Tools, mit denen du beispielsweise Texte schreiben oder Bilder generieren kannst. Und täglich kommen neue dazu. Ich könnte den ganzen Tag damit verdaddeln, KI-Modelle auszuprobieren. Sich nicht verunsichern zu lassen und den Fokus nicht zu verlieren – das gehört schon zu den größeren Herausforderungen.
Inwieweit hat sich deine Rolle durch den Einsatz von KI verändert? Siehst du die Gefahr einer Entwertung bestimmter Fähigkeiten?
Ich gehe davon aus, dass einige Unternehmen ihre Marketing- und PR-Texte nun intern von KI schreiben lassen und nicht mehr unbedingt freie Texter und Texterinnen hinzuziehen.
Das Problem: Wer bisher nicht mit den Merkmalen guter Texte vertraut ist, kann auch kaum einschätzen, ob ein Text gut strukturiert ist, gern gelesen wird und im besten Fall Interessenten zu Kunden konvertiert. Trotzdem wird er vom jeweiligen Prompter vielleicht als ausreichend bewertet.
Darin sehe ich ein großes Dilemma, aber gleichzeitig auch eine Chance: Der Markt wird zukünftig von Texten überschwemmt, die maximal ausreichend sind. Wer sich aber von der Masse abheben will, engagiert einen Textprofi, der die Textqualität beurteilen kann.
Gibt es Aspekte deiner Arbeit, bei denen KI-Tools (noch) keine sinnvolle Unterstützung bieten oder sogar hinderlich sind?
Bei persönlichem Storytelling, Social-Media-Beiträgen oder Über-mich-Seiten stößt KI ganz klar an ihre Grenzen. KI kann vor allem knitterfreie Texte produzieren, aber nicht auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Sie hat in dem Sinne kein Bewusstsein und keine Gefühle und kann diese auch nur schlecht transportieren.
Aber genau das macht einen Text aus: die Ecken und Kanten der Protagonisten, die grauen Haare und Lachfältchen, die ein Lebensabschnitt mit sich bringt und durch Text sichtbar wird. Es ist unglaublich spannend, mit Menschen über deren Geschichten zu sprechen. Aus diesen Interviews gefühlvolle oder fachlich fundierte Texte zu stricken, darin sehe ich meine Aufgabe als menschliche Texterin.
Wie stellst du sicher, dass die Qualität deiner Arbeit nicht unter dem Einsatz von KI leidet?
Es ist essenziell, dass wir uns unser kritisches Denken bewahren. Die Resultate von KI können erstmal überwältigend sein und entpuppen sich erst beim näheren Hinsehen als schaler Einheitsbrei oder vielleicht sogar als fehlerhafte Informationen. Mir ist es daher wichtig, meine Gedanken gut zu strukturieren und am besten den ersten Entwurf ohne KI aufs Papier zu bringen. Denn dann ist automatisch gesichert, dass es die Formulierungen und Inhalte in dieser Form nicht schon irgendwo gibt.
Originärer Content wird in Zukunft wichtiger denn je.
Ethische und zukünftige Überlegungen
Welche ethischen Fragen oder Bedenken siehst du im Zusammenhang mit der Nutzung von KI im Schreibbereich (z.B. Urheberrecht, Originalität, Transparenz)?
Es wäre gut, wenn wir hier klare gesetzliche Regelungen hätten. Wem gehören die Rechte an KI-generierten Texten? Aus welchen Quellen stammen die Inhalte? Ab wann sollte ein KI-gestützter Text als solcher gekennzeichnet sein? Das sind alles Fragen, denen wir uns stellen müssen.
Wie gehst du mit dem Thema Transparenz gegenüber deinen Kunden um, wenn du KI-Tools in deinem Schreibprozess einsetzt?
Ich setze KI nur ganz subtil ein. Und seien wir mal ehrlich: Texter haben schon immer verschiedene Kanäle und Hilfsmittel genutzt, um Arbeitsprozesse zu optimieren – sei es nun der OpenThesaurus oder der Duden.
Das ist jetzt auch nicht außergewöhnlich. Wenn ein Kunde explizit danach fragt, erkläre ich gerne, wie ich KI in meinen Arbeitsprozess einbinde.
Welche Kompetenzen oder Fähigkeiten werden deiner Meinung nach in Zukunft in deiner Branche besonders wichtig sein, um sich im Zeitalter der KI zu behaupten?
Ich denke schon, dass wir uns als Kreativdienstleister in die KI-Materie einarbeiten und den achtsamen Umgang mit KI erlernen sollten. Es macht einen Unterschied, ob wir ChatGPT mit einem kurzen Befehl zum Texten auffordern oder ob wir einen feinen Prompt aufsetzen und gezielt Briefinginformationen beisteuern, um gute Texte zu erhalten.
Letztendlich ist KI-Nutzung eine zusätzliche Facette unseres Handwerks.
Wie schätzt du die langfristigen Auswirkungen von KI auf die Schreibbranche ein? Wird KI bestimmte Berufe ersetzen oder eher ergänzen?
KI wird die gesamte Branche einmal kräftig durchrütteln. Wenn ich mich umsehe, sind jetzt schon einige Kollegen vom Markt verschwunden oder dabei, sich umzuorientieren. Das bedaure ich sehr. Aber andererseits sind Copywriter in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Hier wird sich durchsetzen, wer wirklich gut ist. Reine Texter ohne zusätzliches Spezialgebiet wie Personal Branding, PR oder GEO (Generative Engine Optimization) werden es wahrscheinlich sehr schwer haben, dauerhaft am Markt zu bestehen.
Welchen Rat würdest du anderen in deiner Branche geben, die sich mit dem Thema KI auseinandersetzen möchten?
Das ist in der Tat schwierig zu beantworten. Wir Texter schwimmen alle mehr oder weniger orientierungslos durch das Haifischbecken. Keiner weiß, wie sich das alles entwickelt. Was heute noch funktioniert, kann morgen schon wieder ganz anders sein.
Da gibt es ein paar Texter, die sich sofort auf das Thema draufgesetzt haben und sich jetzt als KI-Experten positionieren und jene, die sich komplett verweigern.
Ich bewege mich irgendwo dazwischen. Ich beobachte sehr genau, was gerade passiert, probiere aus, informiere mich und überlege, wie ich dem Ganzen begegne. Das kann ich jedem nur ans Herz legen.
und außerdem…
Gibt es noch etwas, das du zum Thema „KI und Schreiben“ hinzufügen möchtest?
Wir müssen aufklären! Und zwar nicht zu knapp. Wir dürfen nicht müde werden, immer wieder darauf hinzuweisen, wie wichtig gute Texte sind und dass auch ganz viel Kreativität und Menschlichkeit verloren gehen, wenn die schreibende Zunft ausstirbt. Und diese Gefahr sehe ich durchaus.