Ist Erfolg als Self-Publisher planbar?

22. Juni 2013 | Von | Kategorie: Bücher schreiben
Seinen 2. Roman ging Autor und Selbstverleger Michael Meisheit systematischer an als den ersten - mit Erfolg.

Seinen 2. Roman ging Autor und Selbstverleger Michael Meisheit systematischer an als den ersten – mit Erfolg.

Michael Meisheit ist Drehbuchautor und schreibt seit Jahren für die sonntägliche ARD-Serie „Lindenstraße„. Vor kurzem hat er mit „Soap“ seinen ersten Roman als Self-Publisher (deutsch: Selbstverleger) auf den Markt gebracht und ausführlich über den Weg dieses Buches gebloggt. Meisheit macht, was andere in diesem Geschäft nicht tun: er berichtet ganz offen über Erfolge und Misserfolge.

Nun hat Meisheit seinen zweiten Roman als E-Book herausgebracht: „Nicht von dieser Welt„. Doch der ist ganz bewusst nicht unter seinem eigenen Namen erschienen, sondern unter dem Pseudonym Vanessa Mansini. Mit Erfolg.

In zehn Tagen auf Platz 1

Zu seinem Erstaunen landete das Buch, anders als „Soap“, innerhalb von zehn Tagen bei Amazon.de auf Platz 1 der Kindle-Bestsellerliste und schlug damit sogar den neuen Krimi von Dan Brown. Nachdem er vielfach gefragt wurde, wie er das bewerkstelligt habe, schrieb er einen Blog-Beitrag darüber: „Bestseller nach Plan?“ Der Titel kommt nicht von ungefähr. Meisheit ging, nachdem „Soap“ nicht so gut lief wie erhofft, sein zweites Buch als Self-Publisher systematischer an als das erste.

Erfolg in zehn Schritten

In zehn Punkten beschreibt er nun, was seiner Ansicht nach zu diesem Erfolg geführt hat. Dazu gehören das zielgenaue Schreiben für eine vorher angepeilte Leserschaft und das extra dafür gewählte Pseudonym, ein professionell gestaltetes Buchcover, ein professionelles Korrektorat und eine klare Marketingstrategie. Er investierte somit, was nur wenige Self-Publisher tun, Geld in sein zweites Buch, insgesamt knapp 1.500 Euro.

Kein Buch ohne die Crowd

Doch Meisheit sieht ebenfalls die „Crowd“ als wichtigen Erfolgsfaktor. Menschen, mit denen er im Internet, bei Facebook, Twitter usw. vernetzt ist, aber auch private Kontakte befragte er zu seinem geplanten Buchcover, dem Buchtitel und dem Klappentext. Außerdem machten ihn einige TestleserInnen auf Lücken und Fehler im Manuskript aufmerksam. Weil die ihre Aufgabe seiner Ansicht nach gut machten, sparte Meisheit sich die Ausgabe für ein professionelles Lektorat.

Ohne Glück geht es nicht

Der letzte Punkt in seiner Aufzählung der Erfolgsfaktoren ist das Glück. Fünfzig Prozent seines Erfolgs schreibt er ihm zu. Die erste Kommentatorin zu diesem Blogpost, Nika Lubitsch, stimmt ihm besonders in diesem Punkt zu. Und sie weiß, wovon sie spricht, denn sie stand selbst monatelang mit ihrem ersten Krimi „Der 7. Tag“ auf Platz eins der Kindle-Charts.

Es wird interessant sein, zu sehen, wie lange sich Meisheits E-Book in den obersten Rängen halten und durch welche Aktionen er dies befördern wird. Doch es ist auch so erkennbar, dass er mit dem, was er in seinem Blogpost schreibt, durchaus recht hat: einen Bestseller kann man nicht planen, auch als Self-Publisher nicht. Der Faktor des richtigen Buches zur richtigen Zeit ist einfach nicht abwägbar.

Ohne professionelles Denken geht es aber auch nicht

Doch auch wenn es hierfür Ausnahmen geben wird, kann man seinem Buch ganz bestimmt den Weg zum Erfolg ebnen, indem man selbst genau die Schritte übernimmt, die sonst ein Verlag übernommen hätte: das genaue Planen vorab und den Einsatz von Profis an der Stelle, an der die Grenzen der AutorInnen erreicht sind.

Doch genau daran fehlt es vielen SelbstverlegerInnen noch immer: an der Erkenntnis der eigenen Grenzen, an dem Willen, Geld in das Buch zu investieren, und an dem professionellen Denken hinter ihrem Traum vom Schreiben. Es genügt nicht, zu glauben, ein gutes Buch geschrieben zu haben – das Drumherum, von der Planung übers Cover bis hin zum Marketing, ist genauso wichtig für den Verkaufserfolg.

Dass sich jedoch immer mehr SelbstverlegerInnen professionalisieren, zeigt sich schon an den Kindle-Charts, die längst nicht mehr nur von VerlagsautorInnen bestimmt werden. Anfang Juni 2013 waren laut Matthias Matting von der Self-Publisher-Bibel 43 E-Books von SelbstverlegerInnen unter den bestverkauften 100 Kindle-E-Books.

Birte Vogel

Birte Vogel ist freie Journalistin. Sie schreibt für Medien und Unternehmen über Themen aus Kultur, Natur- und Umweltschutz und Gesellschaft.
Für ihren Porträtband "Hannover persönlich" erhielt sie von der Leipziger Buchmesse und neobooks (Droemer Knaur) 2013 einen autoren@leipzig Award. 2011 stand sie auf der Shortlist des Schneelöwen Journalistenpreises für einen Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung. Mehr auf: http://birtevogel.de.

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